Das Spannendste, was ich auf Kuredu erlebt habe, war die Unterwasserwelt. Ok, dazu muss ich vielleicht erstmal ausführen, dass ich mit Tauchen bislang nicht allzuviel am Hut hatte... Ich hab in meiner Jugend nie getaucht und war auch nie Skifahren. Das waren einfach Dinge, von denen ich annahm, dass sie zwar nett sein könnten, aber irgendwie auch viel zu teuer und aufwändig. - Also: Forget it and save a lot of money.
Ins Wanken geriet meine Einstellung, als sich vor zwei Jahren im Rahmen meiner Trainerausbildung bei Chris Mulzer auf Ko Lipeh (Thailand) an einem freien Tag plötzlich die Gelgenheit ergab, an einer Tauch-Schnupper-Exkursion teilzunehmen. Es waren nur zwei Tauchgänge vorgesehen: Beim ersten starteten wir vom Strand aus, bekamen die Basics beigebracht und es fiel mir erstaunlich leicht, im Wasser mein Gewicht zu tarieren und nach Wunsch in jeder Tiefe zu schweben. Beim zweiten Tauchgang hatte ich den Tiefenmesser an meiner Ausrüstung entdeckt, festgestellt dass wir nur auf 6 Meter waren und dachte nur *ich will tiefer!* :)
Wundervolle Korallen gab es dort und bezaubernde Clownfish, die wegen des Films "Finding Nemo" besonders faszinierend erschienen. Das Beeindruckende war jedoch das Gesamterlebnis; dass es dort eine völlig neue Welt gab, die ich bislang aus meinem Erleben ausgeblendet hatte, und die auf einmal da und erreichbar war. - So ähnlich, wie es mir ein paar Tage vorher in Bangkok ging: Ich war noch gestresst von der vielen Arbeit zuvor, spürte einen extremen Jetlag und war zum ersten Mal in Asien, in einer fremden, sehr fordernden Stadt. Wenig später hatte ich mich entspannt, die Stadt angenommen und alles war gut. Ich konnte mich dort bewegen, kannte die Tuk-Tuks und Wasser-Taxis und hatte die Stadt für mich erschlossen - in zwei Tagen! Mich faszinieren solche Lernerfahrungen, in denen sich fremde Lebenswelten plötzlich öffnen und sich meine eigene Komfortzone spürbar erweitert.
Obwohl ich vom Tauchen fasziniert war und es definitiv weiter betreiben möchte, hatte ich es für die Malediven aus Kostengründen ausgeschlossen und mich auf's Schnorcheln beschränkt. Ok, ich hatte auch früher schon mal eine Taucherbrille auf, aber leider immer nur in Gewässern, in denen es nichts zu sehen gab. ;) Deswegen war ich froh, dass ich mir für diesen Urlaub bei Amazon ein Schnorchelset mit Brille und Flossen gekauft hatte.
Dieses Set hab ich (selbst ist der Mann) am ersten Tag auf der Insel auch gleich ausprobiert und war erstaunt, wie schwer mir das fiel. Ok, im Prinzip ist Schnorcheln nicht kompliziert, aber die Fortbewegung mit dem richtigen Flossenschlag wollte auch erstmal geübt sein. Und aus irgendeinem Grund hab ich irre viel feinsten Wassernebel eingeatmet und mich hinterher erstmal wie ein asthmatischer Minenarbeiter gefühlt. - Und die interessanten Aussichtspunkte hab ich natürlich auch nicht entdeckt.
Von daher kam es mir gelegen, dass die hiesige Tauchschule (thx, Karola!) einen kostenlosen Einstiegskurs anbot, in dem ich die Basics (und es waren wirklich nicht viele) in einer Stunde lernen konnte - kinderleicht!
Ab dem Moment war das "House Reef" hier auf Kuredu meine zweite Heimat. Ich hab festgestellt, dass es bei dem Salzgehalt des Wassers normal war, mühelos unter der Wasseroberfläche zu gleiten und dass es schon von dort viel zu sehen gab. Im Free-Diving Kurs hab ich dann gelernt, dass auch das Untertauchen ohne Austrüstung (Apnoe-Diving) von der Technk relativ einfach zu handhaben ist, wenn der Druckausgleich (equalizing) über die Ohren richtig funktioniert. Auch ohne tiefere Tauchgänge war ich von dem, was ich dort entdecken konnte, überwältigt. Es gab einzelne Wasserschildkröten und Millionen von Fischen tausend unterschiedlicher Arten.
Wenn ich aufgrund der faszinierenden Fischvielfalt etwas lernen konnte, dann sind das zwei Dinge: 1) Es gibt einen Gott und 2) Er nimmt Drogen. ;) Anders kann ich mir diese Farben und Formen einfach nicht erklären. Es gibt winzige bunte Fische, die zu Tausenden in großen Schwärmen durch das Wasser streifen. Es gibt kleine bunte Fische, dis sich ebenfalls zu Tausenden in einem kleinen Knäuel versammeln, wahrscheinlich um so zu tun als wären sie ein großer Fisch. Es gibt mittlere bunte Fische, die in kleinen Gruppen wie stille Wächter im Wasser stehen, um dann aufgrund eines heimlichen Signales plötzlich ihre Position zu ändern und in die Ferne zu verschwinden. Und es gibt größere bunte Fische, die häufig eher vereinzelt durchs Wasser streifen und die Korallen abgrasen. Dabei denke ich vor allem an die Papageienfische, die ich bei unserem ersten Kontakt "Knusperfische" getauft hab, weil man sie tatsächlich hört, wenn sie an den Korallen knabbern. Inzwischen weiss ich, dass dieses Knabbern und das anschließende Ausscheiden der Kalkreste maßgelblich zum Sandbestand der Meere beiträgt. Hoffe ihr ekelt euch nicht, dass das Fisch-Scheiße ist, auf der ihr dort am Strand in der Sonne liegt. :)
(Pic by http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Nhobgood)
Anyway, die Unterwasserwelt ist magisch. Das Hausriff mit den vielfältigen bunten Bewohnern war ja nur der Anfang. Mehr Auswahl gibt es dann schon auf den verschiedenen Bootstouren, die die Tauchschule anbietet. - Die "Caves" zum Beispiel... Ein Überhang an einem Riff, der von den dort ansässigen Schildkröten gern zum Chillen verwendet wird. Hin und wieder tauchen sie dort aus der Tiefe auf, um an der Oberfläche Luft zu schnappen und sich dann wieder zu verkriechen. Absolut lässige Tiere...
(Pic by http://home.comcast.net/~milazinkova/Fogshadow.html)
Dann gibt es dort an einigen Punkten Unmengen - hunderte - an Delphinen. Ich hab allerdings auf einer "Sunset-Cruise" nur eine Handvoll davon gesehen, und allein die wenigen ließen mir das Herz aufgehen.
Der Oberknaller für mich, meine neuen Lieblingstiere waren allerdings die Mantarochen... Soweit ich weiss, erreichen sie eine Spannweite von bis zu sieben Metern. Die Exemplare, die ich gesehen hab, hatten vielleicht drei Meter, und auch die waren schon überwältigend... like out of space! Das Besondere an den Mantas ist, dass sie häufig direkt an der Wasseroberfläche schwimmen und sich deswegen von den Booten aus gut entdecken lassen. Nach der Entdeckung lautete unsere Answeisung, uns sachte ins Wasser zu begeben, vorsichtig auf sie zuzubewegen und ansonsten abzuwarten, dass sie von sich aus aus Neugierde auf uns zukommen. Die Sichtweite im Wasser waren vielleicht ein paar Meter, und so war es nicht immer ganz klar, in welcher Richtung und Entfernung sich die Mantas aufhielten. Umso beeindruckender fand ich es dann, wenn so ein Riesenteil plötzlich und mit weit geöffnetem Maul auf mich zukam, um dann in einer Entfernung von vielleicht einem Meter lässig abzudrehen und an mir vorbei zu schweben.
Bei meinen ersten Begegnungen mit diesen Tieren musste ich plötzlich breit grinsen, was dummerweise dazu führte, dass meine Maske nicht mehr dicht abschloss und sich mit Wasser füllte.
Auf jeden Fall wollte ich mehr von den Mantas sehen, und in einer Gruppe mit etlichen Schnorchlern war es wichtig an der richtigen Stelle zu sein, sich nicht unnötig zu bewegen und einfach abzuwarten. - Und dann hatte ich etliche Begegnungen, wo ein Manta direkt auf mich zukam und ich dachte "hey, der meint mich, ich bin der Auserwählte." ;)
Ok, im Nachhinein denke ich, dass ich mehr Tauchen und mehr Bootstouren hätte machen können. Ich hab mich geschont, weil ich teilweise Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich und vielleicht auch nicht die richtige Ausrüstung hatte. Sucht mal im Netz mach "Tauchen Ohrentropfen", da findet ihr Hinweise auf vorbeugende Maßnahmen, die euch das Erlebnis erleichtern.
Alles in allem freue ich mich wieder über eine Erfahrung, die mir gezeigt hat wie einfach es ist, den Raum meiner Möglichkeiten und meine Komfortzone zu erweitern. Und das ist in meiner Welt eine ganz wesentliche Erfahrung im Leben. - Wisst ihr noch, wie ihr in die Schule gekommen seid? Wie ihr euch für den Führerschein angemeldet habt? Wie ihr zum ersten Mal an der Uni wart?
Ich finde es wichtig, dass all diese neuen Erfahrungen, so gewaltig sie damals auch erschienen sind, doch nach überraschend kurzer Zeit kinderleicht waren, und unser Leben und unsere Möglichkeiten bereichert haben. :-)
Update: Heute hab ich auf der Videoplattform Vimeo ein zauberhaftes Kuredu-Urlaubsvideo mit vielen Tauchaufnahmen entdeckt:
Diving Kuredu The Maldives from Jason Chambers on Vimeo.
Thanks to Jason Chambers for sharing this.