Eure positiven Rückmeldungen zu meinem letzten Beitrag zur Spracherkennung haben mir gezeigt, dass eine Demonstration von Softwarelösungen per Screencast tatsächlich ziemlich praktisch und anschaulich ist.
Der Kommentar von Thomas
Klasse Beitrag für meine Kaufentscheidung, vielen Dank für die Demo! Was mich besonders interessiert ... wie / womit hast Du das Video aufgenommen? Besonders der Vollbild-Modus ist ja echt super - Das will ich auch! Ist vielleicht ein Post wert ?
war tatsächlich eine typische Reaktion, und da lag es natürlich nahe, meine Antwort wieder in einen Screencast zu verpacken. :-)
Hier kurz die Links zu den erwähnten Lösungen:
Probiert's aus und schaut mal, was ihr alles damit anfangen könnt. - Ich freu mich inzwischen über Fragen und Anmerkungen, wenn ihr welche habt!
Hallo Henri,
Du wolltest wissen, wie zufrieden ich mit der Dragon Spracherkennung bin, und da dachte ich mir, ich zeig dir am besten mal, wie das Ganze in der Praxis funktioniert.
Ich hab mich noch nicht ganz dran gewöhnen können, regelmäßig mit der Software zu arbeiten. Irgendwie ist es immer noch merkwürdig, quasi druckreif formulieren zu müssen - Dennoch: grundsätzlich bin ich von der Leistung und Geschwindigkeit der Software überzeugt. Irgendwie ist es auch eine Frage der persönlichen Denkprozesse und der Übung, und ich habe das Gefühl, dass es nur gut sein kann, zwischendurch den Ausdruck zu wechseln, und mal zu sprechen und mal schreibend zu formulieren.
So gesehen kann ich das Programm also nur empfehlen.
Auch das Diktieren auf Englisch funktioniert ziemlich gut, erfordert allerdings die Premium-Variante für 75 Euro. Wenn du nur Deutsch diktieren möchtest, reicht auch die Home-Version für 38 Euro. Mein aktuelles Notebook verfügt über einen i5-Prozessor mit 2,4GHz, da erscheint mir die Geschwindigkeit des Programms akzeptabel. Ich hab mir gleich ein besseres Headset von Plantronics bestellt, das ungefähr 12 Euro gekostet hat. Ich bin sehr zufrieden mit der Kombination, hab aber das Headset das im Paket enthalten war gar nicht ausprobiert und kann dir daher nicht sagen, ob die Variante nicht auch ausgereicht hätte. Ich hoffe, du hast einen Eindruck gewinnen können, und kannst nun eine Entscheidung treffen.
Fazit: An manchen Stellen wunder ich mich, wie gut die Software auch mit ungewöhnlichen Ausdrucksformen klar kommt, an anderen Stellen ärgert es doch, wenn ich einige schlichte Formulierungen nachbessern muss. - Andererseits trainiert das wahrscheinlich auch die deutliche Aussprache. ;) Insgesamt hab ich den Eindruck, dass die Spracherkennung so langsam ein Niveau erreicht hat, wo sich tatsächlich produktiv damit arbeiten lässt.
[Update 12.7.2011: Das Thema Stehen vs. Sitzen bleibt in den Medien aktuell. Gestern hat die Financial Times Deutschland unter dem Titel "Gefahr im Büro: Wer viel sitzt, stirbt früher" ausführlich darüber berichtet. Ich hab von meinen Lesern in den letzten Wochen eine Reihe positiver Rückmeldungen bekommen und erhalte daher meine Empfehlung (s.u.) aufrecht.]
Vor Jahren hab ich mit dem Gedanken gespielt, mir einen Schreibtisch zuzulegen, der in der Höhe anpassbar ist und je nach Laune eine Arbeit im Sitzen oder Stehen ermöglicht. Weiter verfolgt hab ich die Sache nicht, weil entsprechende Schreibtische meist recht teuer waren und es im Fall der Fälle eben doch zeitaufwändig und umständlich ist, die Höhe zu verändern.
Nun bin ich in den vergangenen Wochen auf einige Artikel gestoßen, die eindringlich dargestellt haben, wie problematisch das ständige Sitzen für uns "Knowledge Worker" (neudeutsch für "Kopfarbeiter") tatsächlich ist, zuletzt sehr anschaulich in dieser Grafik:
Aus meiner Sicht steht dabei gar nicht im Vordergrund, dass ich im Stehen ein paar Kalorien mehr verbrenne als im Sitzen, da könnte ich auch einfach einen Schokoriegel weniger essen. ;) Vielmehr finde ich dabei drei Aspekte beachtenswert, die nichts mit der Kalorienaufnahme zu tun haben:
Mich hat das jedenfalls auf die Idee gebracht, dass es doch cool wäre, neben meinem Schreibtisch einen alternativen Steh-Arbeitsplatz zu haben. Eine Recherche im Internet ergab, dass es geeignete Stehpulte in einfacher Form ab etwa 150 Euro gibt. Ich hab mich dann für diese etwas komfortablere Variante von Kettler entschieden
und bin sehr zufrieden damit! Ich habe durch die Kombination von Schreibtisch und Stehpult mehr Raum, um mein Arbeitsmaterial (und verschiedene Projekte) zu verteilen, tue mich leichter damit, dem Computer mal den Rücken zu kehren und diverse Ablenkungen auszublenden und dieser Switch ist jeweils nur ein paar Sekunden und zwei Schritte entfernt. - Und es liegt nun gleichzeitig näher, zwischendurch mal denkend ein paar Schritte zu tun.
Es gibt zwei Modelle, die ich empfehlen möchte:
Für die meisten Zwecke reicht sicherlich dieses Modell "Stehpult Basis", das Amazon momentan für 179 EUR verkauft. Die oben abgebildete Variante "Stehpult Komfort" für momentan 319 EUR hat demgegenüber drei Vorteile: a) leichtere Höhenverstellung, b) neigbare Tischfläche und c) eine Fußstütze. Ich bin mit meiner Komfortversion sehr zufrieden, würde mich aber bei einem Neukauf angesichts des Preisunterschiedes doch eher für das Basismodell entscheiden.
Alles in allem war das eine der drei besten produktivitätssteigernden Anschaffungen, die ich im vergangenen Jahr getätigt habe.
Nun würde mich interessieren, welche Tools dich in punkto Produktivität weitergebracht haben... Und wenn du in deinem Umfeld Personen kennst, die zu viel am Schreibtisch sitzen, dann leite diese Info gern weiter!
Irgendwann ist auch der schönste Urlaub mal vorbei. Mich traf diese einschneidende Erkenntnis am 25. Dezember 2010, meinem letzten Tag auf Kuredu. Es war früher Mittag, ich saß in der Akiri-Bar und fühlte mich anders. Ich hatte im Laufe der vergangenen 16 Tage schon viele Augenblicke an diesem Ort verbracht und, wie mein Freund Achim zu sagen pflegt "Zeit verstreichen lassen". Und doch war auf einmal irgendetwas anders. Das fand ich interessant, weil es eine Referenzerfahrung zu sein schien und weil ich anscheinend dabei war, gerade etwas zu lernen.
Das mögen jetzt zwei gewagte Behauptungen sein, deswegen möchte ich sie (zumindest kurz) erläutern:
1) Lernen: Wie oft sagen wir "Ich habe etwas gelernt", und wie sehr gehen die Meinungen, was Lernen bedeutet, dennoch auseinander? Ich finde bei diesem Thema drei Stufen bedeutsam:
Aber ich schweife ab, irgendwie kam ich drauf, weil ich mir überlegte, was ich in diesem Urlaub denn gelernt hatte, und irgend etwas schien das mit Referenzerfahrungen zu tun zu haben...
2) Referenzen sind ein wichtiges Konstrukt im Modell von NLP.
Vereinfachend kann man sagen, dass eine Referenz eine Art Maßstab darstellt. In quantitativ messbaren Bereichen reicht ein vergleichendes Element einer "Einheit"... Wenn ich weiss, was ein "Meter" oder ein "Liter" ist, kann ich auf dieser Grundlage meine
Erfahrungen im physischen Raum einschätzen.
Bevor ich das näher ausführe, möchte ich nochmal betonen dass, im Sinne des Lernens, das Entscheidende an diesen Referenzen nicht das kognitive Verstehen ist, sondern das *Spüren* der Wahrheit. Die Erkenntnis selbst mag platt erscheinen, aber wenn du's spürst, dann spürst du's!
Und bei mir hat's in dem Moment Klick gemacht... Wait a second, dachte ich mir, ich sitze nun schon seit Tagen an diesem Ort, beobachte immer wieder die Urlauber, die gerade wehmütig ihren letzten Tag auf der Insel begehen, und erst jetzt spüre ich, wie kostbar die Zeit ist?!
Die ganzen Tage hatte ich im Kopf "Ja, die fliegen jetzt, aber mich betrifft das nicht, ich hab ja noch X Tage..." Aus X=14 wurde X=10 wurde x=5 wurde x=1... Und auf einmal spüre ich, dass die Zeit kostbar ist?! Hätte mir das bitteschön mal jemand an meinem ersten Urlaubstag sagen können?!
Ist schon komisch dieser Unterschied zwischen *Verstehen* und *Fühlen* einer Wahrheit, da hätte ich auch früher drauf kommen können. Und dummerweise betrifft das ja nicht nur den Urlaub. - Wir haben gerade den 25. Tag des 12. Monats des Jahres, und wie bin ich mit dem Rest des Jahres umgegangen?Mal schauen ob es mir gelingt, die Erkenntnisse dieses Urlaubs in meinen Alltag zu übertragen: dass jeder Morgen und jeder Augenblick kostbar ist...Und wie war das noch mit der dritten Stufe des Lernens... Werden diese Erkenntnisse auch tatsächlich dazu führen, dass ich mein Verhalten ändere? Wie heisst es so schön: - "Understanding is the booby prize". ("Verstehen ist der Trostpreis"). Over and out.Das Spannendste, was ich auf Kuredu erlebt habe, war die Unterwasserwelt. Ok, dazu muss ich vielleicht erstmal ausführen, dass ich mit Tauchen bislang nicht allzuviel am Hut hatte... Ich hab in meiner Jugend nie getaucht und war auch nie Skifahren. Das waren einfach Dinge, von denen ich annahm, dass sie zwar nett sein könnten, aber irgendwie auch viel zu teuer und aufwändig. - Also: Forget it and save a lot of money.
Ins Wanken geriet meine Einstellung, als sich vor zwei Jahren im Rahmen meiner Trainerausbildung bei Chris Mulzer auf Ko Lipeh (Thailand) an einem freien Tag plötzlich die Gelgenheit ergab, an einer Tauch-Schnupper-Exkursion teilzunehmen. Es waren nur zwei Tauchgänge vorgesehen: Beim ersten starteten wir vom Strand aus, bekamen die Basics beigebracht und es fiel mir erstaunlich leicht, im Wasser mein Gewicht zu tarieren und nach Wunsch in jeder Tiefe zu schweben. Beim zweiten Tauchgang hatte ich den Tiefenmesser an meiner Ausrüstung entdeckt, festgestellt dass wir nur auf 6 Meter waren und dachte nur *ich will tiefer!* :)
Wundervolle Korallen gab es dort und bezaubernde Clownfish, die wegen des Films "Finding Nemo" besonders faszinierend erschienen. Das Beeindruckende war jedoch das Gesamterlebnis; dass es dort eine völlig neue Welt gab, die ich bislang aus meinem Erleben ausgeblendet hatte, und die auf einmal da und erreichbar war. - So ähnlich, wie es mir ein paar Tage vorher in Bangkok ging: Ich war noch gestresst von der vielen Arbeit zuvor, spürte einen extremen Jetlag und war zum ersten Mal in Asien, in einer fremden, sehr fordernden Stadt. Wenig später hatte ich mich entspannt, die Stadt angenommen und alles war gut. Ich konnte mich dort bewegen, kannte die Tuk-Tuks und Wasser-Taxis und hatte die Stadt für mich erschlossen - in zwei Tagen! Mich faszinieren solche Lernerfahrungen, in denen sich fremde Lebenswelten plötzlich öffnen und sich meine eigene Komfortzone spürbar erweitert.
Obwohl ich vom Tauchen fasziniert war und es definitiv weiter betreiben möchte, hatte ich es für die Malediven aus Kostengründen ausgeschlossen und mich auf's Schnorcheln beschränkt. Ok, ich hatte auch früher schon mal eine Taucherbrille auf, aber leider immer nur in Gewässern, in denen es nichts zu sehen gab. ;) Deswegen war ich froh, dass ich mir für diesen Urlaub bei Amazon ein Schnorchelset mit Brille und Flossen gekauft hatte.
Dieses Set hab ich (selbst ist der Mann) am ersten Tag auf der Insel auch gleich ausprobiert und war erstaunt, wie schwer mir das fiel. Ok, im Prinzip ist Schnorcheln nicht kompliziert, aber die Fortbewegung mit dem richtigen Flossenschlag wollte auch erstmal geübt sein. Und aus irgendeinem Grund hab ich irre viel feinsten Wassernebel eingeatmet und mich hinterher erstmal wie ein asthmatischer Minenarbeiter gefühlt. - Und die interessanten Aussichtspunkte hab ich natürlich auch nicht entdeckt.
Von daher kam es mir gelegen, dass die hiesige Tauchschule (thx, Karola!) einen kostenlosen Einstiegskurs anbot, in dem ich die Basics (und es waren wirklich nicht viele) in einer Stunde lernen konnte - kinderleicht!
Ab dem Moment war das "House Reef" hier auf Kuredu meine zweite Heimat. Ich hab festgestellt, dass es bei dem Salzgehalt des Wassers normal war, mühelos unter der Wasseroberfläche zu gleiten und dass es schon von dort viel zu sehen gab. Im Free-Diving Kurs hab ich dann gelernt, dass auch das Untertauchen ohne Austrüstung (Apnoe-Diving) von der Technk relativ einfach zu handhaben ist, wenn der Druckausgleich (equalizing) über die Ohren richtig funktioniert. Auch ohne tiefere Tauchgänge war ich von dem, was ich dort entdecken konnte, überwältigt. Es gab einzelne Wasserschildkröten und Millionen von Fischen tausend unterschiedlicher Arten.
Wenn ich aufgrund der faszinierenden Fischvielfalt etwas lernen konnte, dann sind das zwei Dinge: 1) Es gibt einen Gott und 2) Er nimmt Drogen. ;) Anders kann ich mir diese Farben und Formen einfach nicht erklären. Es gibt winzige bunte Fische, die zu Tausenden in großen Schwärmen durch das Wasser streifen. Es gibt kleine bunte Fische, dis sich ebenfalls zu Tausenden in einem kleinen Knäuel versammeln, wahrscheinlich um so zu tun als wären sie ein großer Fisch. Es gibt mittlere bunte Fische, die in kleinen Gruppen wie stille Wächter im Wasser stehen, um dann aufgrund eines heimlichen Signales plötzlich ihre Position zu ändern und in die Ferne zu verschwinden. Und es gibt größere bunte Fische, die häufig eher vereinzelt durchs Wasser streifen und die Korallen abgrasen. Dabei denke ich vor allem an die Papageienfische, die ich bei unserem ersten Kontakt "Knusperfische" getauft hab, weil man sie tatsächlich hört, wenn sie an den Korallen knabbern. Inzwischen weiss ich, dass dieses Knabbern und das anschließende Ausscheiden der Kalkreste maßgelblich zum Sandbestand der Meere beiträgt. Hoffe ihr ekelt euch nicht, dass das Fisch-Scheiße ist, auf der ihr dort am Strand in der Sonne liegt. :)
(Pic by http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Nhobgood)
Anyway, die Unterwasserwelt ist magisch. Das Hausriff mit den vielfältigen bunten Bewohnern war ja nur der Anfang. Mehr Auswahl gibt es dann schon auf den verschiedenen Bootstouren, die die Tauchschule anbietet. - Die "Caves" zum Beispiel... Ein Überhang an einem Riff, der von den dort ansässigen Schildkröten gern zum Chillen verwendet wird. Hin und wieder tauchen sie dort aus der Tiefe auf, um an der Oberfläche Luft zu schnappen und sich dann wieder zu verkriechen. Absolut lässige Tiere...
(Pic by http://home.comcast.net/~milazinkova/Fogshadow.html)
Dann gibt es dort an einigen Punkten Unmengen - hunderte - an Delphinen. Ich hab allerdings auf einer "Sunset-Cruise" nur eine Handvoll davon gesehen, und allein die wenigen ließen mir das Herz aufgehen.
Der Oberknaller für mich, meine neuen Lieblingstiere waren allerdings die Mantarochen... Soweit ich weiss, erreichen sie eine Spannweite von bis zu sieben Metern. Die Exemplare, die ich gesehen hab, hatten vielleicht drei Meter, und auch die waren schon überwältigend... like out of space! Das Besondere an den Mantas ist, dass sie häufig direkt an der Wasseroberfläche schwimmen und sich deswegen von den Booten aus gut entdecken lassen. Nach der Entdeckung lautete unsere Answeisung, uns sachte ins Wasser zu begeben, vorsichtig auf sie zuzubewegen und ansonsten abzuwarten, dass sie von sich aus aus Neugierde auf uns zukommen. Die Sichtweite im Wasser waren vielleicht ein paar Meter, und so war es nicht immer ganz klar, in welcher Richtung und Entfernung sich die Mantas aufhielten. Umso beeindruckender fand ich es dann, wenn so ein Riesenteil plötzlich und mit weit geöffnetem Maul auf mich zukam, um dann in einer Entfernung von vielleicht einem Meter lässig abzudrehen und an mir vorbei zu schweben.
Bei meinen ersten Begegnungen mit diesen Tieren musste ich plötzlich breit grinsen, was dummerweise dazu führte, dass meine Maske nicht mehr dicht abschloss und sich mit Wasser füllte.
Auf jeden Fall wollte ich mehr von den Mantas sehen, und in einer Gruppe mit etlichen Schnorchlern war es wichtig an der richtigen Stelle zu sein, sich nicht unnötig zu bewegen und einfach abzuwarten. - Und dann hatte ich etliche Begegnungen, wo ein Manta direkt auf mich zukam und ich dachte "hey, der meint mich, ich bin der Auserwählte." ;)
Ok, im Nachhinein denke ich, dass ich mehr Tauchen und mehr Bootstouren hätte machen können. Ich hab mich geschont, weil ich teilweise Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich und vielleicht auch nicht die richtige Ausrüstung hatte. Sucht mal im Netz mach "Tauchen Ohrentropfen", da findet ihr Hinweise auf vorbeugende Maßnahmen, die euch das Erlebnis erleichtern.
Alles in allem freue ich mich wieder über eine Erfahrung, die mir gezeigt hat wie einfach es ist, den Raum meiner Möglichkeiten und meine Komfortzone zu erweitern. Und das ist in meiner Welt eine ganz wesentliche Erfahrung im Leben. - Wisst ihr noch, wie ihr in die Schule gekommen seid? Wie ihr euch für den Führerschein angemeldet habt? Wie ihr zum ersten Mal an der Uni wart?
Ich finde es wichtig, dass all diese neuen Erfahrungen, so gewaltig sie damals auch erschienen sind, doch nach überraschend kurzer Zeit kinderleicht waren, und unser Leben und unsere Möglichkeiten bereichert haben. :-)
Update: Heute hab ich auf der Videoplattform Vimeo ein zauberhaftes Kuredu-Urlaubsvideo mit vielen Tauchaufnahmen entdeckt:
Diving Kuredu The Maldives from Jason Chambers on Vimeo.
Thanks to Jason Chambers for sharing this.
Montag, 20.12.2010
Offenbar hat sich's gestern ausgeregnet. Heute war der Himmel wieder ausgesprochen freundlich. Dafür war's den ganzen Tag über ziemlich windig, verbunden mit (siehe Video) recht hohem Seegang.
Ok, das mit dem Seegang muss ich vielleicht erklären: Kuredu liegt bei c. 5.5°N, ungefähr 150km nördlich der Hauptinsel Male. Die Insel Kuredu bildet den nördlichen Rand des Lhaviyani Atolls. Sie ist 1.5km lang und verfügt auf der südlichen Lagunenseite über einen entsprechend langen Strand, der in der Mitte vom zentralen Anlegesteg unterteilt wird. An den meisten Tagen ist der Seegang innerhalb der geschützten Lagune sehr moderat, daher eignet sich diese Seite der Insel wunderbar zum Planschen und Schnorcheln. Im Norden und Osten sieht's etwas anders aus.
Heute hab ich am Strand meinen ersten Flughund gesehen! Well, nicht wirklich. ;) Nachdem ich das Tier näher betrachten konnte, wurde mir klar, dass eine ganze Reihe der "Vögel", die ich in den letzten Tagen mit wenig Aufmerksamkeit beobachtet hab, tatsächlich Flughunde waren. Diese Tiere sind hier Tag und Nacht unterwegs, und aus der Ferne betrachtet sehen ihre Flugbewegen recht vogelartig aus. Aber wie das so ist, mit der Wahrnehmung und der Ausrichtung der Aufmerksamkeit: Nachdem ich einmal eine klare Referenz hatte, wie ein Flughund aussieht und wie er sich von Vögeln und Riesenlibellen unterscheidet, hab ich sie auf einmal überall gesehen und war sehr von ihnen fasziniert. - Einerseits haben sie für ein uns verwandtes Säugetier das Flugproblem äußerst elegant gelöst, andererseits sind sie dennoch in der Lage, mit affenartiger Geschicklichkeit durch Bäume zu klettern und dort das zu suchen, was auch immer sie dort suchen. Leider sind die Tiere etwas kamerascheu, sie ließen sich immer erst blicken, wenn ich meine Kamera weggelegt hab. Aber zum Glück gibt es ja heutzutage Youtube und andere Quellen, dort findet ihr Aufnahmen von hartnäckigeren Naturforschern als ich es bin.
Heute morgen bin ich bereits um 7 Uhr geweckt worden, vom donnernden Tosen eines gigantischen Wasserfalls. Well, natürlich war es kein Wasserfall, sondern ein normaler tropischer Regen, den ich hier allerdings bislang noch nicht in der Heftigkeit erlebt hatte. Ok, es hatte auch in den letzten Tagen hin und wieder mal gerauscht in der Nacht, aber die Tage waren (anders als vom Wetterbericht vor meiner Abreise prognostiziert) durchweg traumhaft sonnig. Heute früh hat's von 7 bis 9 Uhr geregnet, danach war's bewölkt, aber weitgehend trocken. Immerhin führte das dazu, dass Thekla und ich auch in der Mittagszeit einen Spaziergang um die Insel machen konnten, ohne von der Sonne niedergebrannt zu werden.
Eine Reihe Jogger kamen uns sogar entgegen, die hab ich hier bisher noch nie gesehen!
Vorhin (gegen 17:30 Uhr) gab's nochmal einen Schauer, und so ist es hier in der Akiri-Bar deutlich voller als ich es sonst am frühen Abend kenne.
Für solche Tage kommt die inseleigene Bibliothek eigentlich wie gerufen, aber da hab ich leider bislang nur einen Roman gefunden, der mich interessierte. Sachbücher hab ich genug dabei, aber mir ist gerade eher nach leichter Lektüre. ;)
So sitze ich nun in der Akiri-Bar und schreibe, wie ich in der Akiri-Bar sitze und schreibe. ;) Inzwischen (19:00 Uhr) regnet es wieder heftig und ich hab mal einen kurzen Videoclip aufgenommen, vor allem wegen der Soundkulisse.
Abgesehen von diesem Tag, der durch sein ungewöhnliches Wetter aus dem Fluss der Woche heraussticht, habe ich die chronolgische Einteilung meiner Reisenotizen aufgegeben. In den ersten Tagen hab ich noch für jeden Tag Notizen festgehalten, hab aber schnell gemerkt, dass Daten und Wochentage hier zu völlig abstrakten Konzepten werden. - Das einzig relevante Datum ist der Tag der Abreise. Ansonsten gehen die Tage hier auf eine sehr angenehme Art ineinander über. Ein bisschen erinnert es mich daran, wie Bill Murray in "Und täglich grüßt das Murmeltier" immer wieder den gleichen Tag erlebt. Hier geschieht mir ähnliches, aber auf eine gute, sehr entspannende und definitiv zeitlich begrenzte Art und Weise.
Nach ein paar Tagen hat sich bei mir ein "Insel-Rhythmus" etabliert, und mit Essen, Lesen am Pool, Schnorcheln und Spaziergängen lässt sich der Tag ganz gut rumbringen.
Morgens nach dem Frühstück ist es am Pool noch schön leer und die Chance auf eine der Liegen im Schatten ist recht hoch. Außerhalb der direkten Sonneneinstrahlung ist das Klima (bei leichtem Wind) den ganzen Tag über super - angenehme Temperatur bei nicht zu hoher Luftfeuchtigkeit. Ich mag's im Schatten und wunder mich immer über die vereinzelten Sonnen-Abhängigen, die obgleich schon dunkelbraun und ausgedörrt, immer noch den ganzen Tag mit bewundernswerter - wenn auch vielleicht fehlgeleiteter - Ausdauer in der Sonne liegen. Ich wart schon immer darauf, dass ich eines Abends nur noch ein Stück Kohle dort liegen sehe. ;)
Am Pool, mit Ausblick auf den Steg und die Anlegestelle der Wasserflugzeuge, vertiefe ich mich gern in ein Buch oder Hörbuch. Vorgestern hab ich "Zero History" von William Gibson beendet, den dritten Teil seiner Bigend-Trilogie. Ich hab wiedermal seinen besonderen Stil bewundert und bin gern in die Welt eingetaucht, die er kreiert hat. Da war die eigentliche Handlung für mich tatsächlich sekundär. [Obwohl die drei Bände prinzipiell in sich abgeschlossen sind, würde ich Einsteigern empfehlen, mit "Pattern Recognition" oder "Spook Country" anzufangen.] Inzwischen höre ich mit großen Interesse "The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains" von Nicholas Carr.
So von 11 bis 15 Uhr ist es ziemlich knallig in der Sonne, daher halt ich mich nach dem Mittagessen gern in der überdachten Akiri-Bar auf, beobachte die hier voller Vorfreude eintreffenden Neuankömmlinge und les oder schreib ein wenig.
Wenn ich dann nachmittags Lust auf Aktivität habe, schnorchel ich gern für eine Stunde das "House Reef" entlang. - Aber das ist eine andere Geschichte, und soll ein andermal erzählt werden... :)
Freitag 10.12.2010
Die sechs Stunden von Ägypten nach Male vergingen im wahrsten Sinne wie im Flug, ich hab sie weitgehend verschlafen. Als ich um kurz vor 10 Uhr aus dem Flugzeug stieg, fiel mir als erstes die hohe Luftfeuchtigkeit auf.
Der Flughafen von Male machte erwartungsgemäß einen recht überschaubaren Eindruck, war aber dennoch gut organisiert. Nach und nach wurden sechs Einreise-Schalter besetzt, so dass die Formalitäten schnell erledigt waren. Dennoch bewegte sich das Gepäckband bereits, als ich noch in der Schlange auf meinen Stempel wartete. Was mich dann erstaunte war, dass beim Zoll das komplette Gepäck durchleuchtet wurde, nicht nur Stichproben. Ich vermute mal, dass die vor allem auf Flaschen mit Alkoholika geprüft haben, denn der darf auf die Malediven nicht eingeführt werden.
Nach kurzer Orientierung fand ich den Schalter der örtlichen Fluggesellschaft TMA, gab dort mein Gepäck auf und wurde mit einem Shuttle zum Seaplane-Terminal gebracht, mit dem Bus ca. 5 Minuten entfernt. Beim Check-in dort freute ich mich, dass mein Flug bereits für 11:30 angekündigt war. Außerdem gab es speziell für Gäste der Resorts auf Kuredu und Komandoo eine eigene Lounge, in der bei entspannter Chill-Musik kostenlos warme und kalte Getränke gereicht wurden. Es gab einen klimatisierten Innenbereich und eine Terasse direkt vor dem Panorama-Fenster, durch die sich der Steg und die Reihe gelb-blauer Wasserflugzeuge beobachten ließ.
Ich kündigte Thekla per SMS meine Ankunftszeit an, sie antwortete "Wart mal ab, das kann sich noch verschieben." - Und so war's dann natürlich auch: Recht schnell starteten vor meiner Gruppe zwei Wasserflugzeuge (mit jeweils 14 Passagieren), danach erschien auf der Anzeigetafel die Ankündigung, unser Flug sei auf 12:20 verschoben worden. Aus 12:20 wurde 13:00 Uhr, aus 13:00 schließlich 14:00. Meine Mitreisenden hat das derart geschockt, dass sie sich an der Bar zur Beruhigung erstmal ein Bier gönnen mussten. Die Tatsache, dass es dort - wie fast überall außerhalb der Resorts - nur alkoholfreies Bier gab, hab ich lieber für mich behalten und auf den Placebo-Effekt gehofft. Mir war inzwischen klar, dass auch die letzte Ankündigung nur als vage Absichtserklärung zu verstehen war, und umso mehr freute ich mich, als es dann um 14 Uhr tatsächlich los ging. Wir wurden aufgerufen, erhielten auf dem Weg zum Steg ein Paar Ohrenstöpsel und gingen an Bord. Die Besatzung bestand aus Pilot, Kopilot und einem dritten Besatzungsmitglied, das für Tür und Leiter und für's Ablegen zuständig war. - Steward kann man dazu wohl nicht sagen. ;)
Wasserflugzeugpilot ist übrigens ein absolut cooler Beruf! Piloten haben ja überhaupt schon ein besonderes Flair, aber die Wasserflieger setzen halt an Lässigkeit noch eins drauf; finde ich jedenfalls, wenn ich sie beobachte, wie sie in Bermudas und barfuss in ihre Maschinen steigen. :)
Der Flug war etwa 45 Minuten lang und sehr abwechslungsreich.
Viele kleine Inseln, einige mit Resorts, andere unbewohnt, säumten unseren Weg nach Kuredu.
Dann begann der Landeanflug, und ich sah zum ersten Mal die längliche Form von Kuredu sowie den schlichten Anlegesteg, der sowohl Hafen als auch Flughafen der Insel ist. Um 15 Uhr (und ich will gar nicht ausrechnen wie viel Stunden Reisezeit) war ich endlich angekommen und wurde von Thekla auf dem Steg begrüßt.
Später erfuhr ich dann, dass es schon 16 Uhr war. - Obwohl die Malediven offiziell zeitlich auf GMT+5 liegen, haben viele der Inseln eine eigene Inselzeit. Dadurch ist der Sonnenaufgang etwas später, der Sonnenuntergang gegen 19 Uhr. Zum einen eine coole Idee, ich werde meinen Mitbewohnern in Berlin vorschlagen, eine eigene WG-Zeit einzuführen. ;) Andererseits zeigt es, wie autonom und abgeschnitten von der Außenwelt die einzelnen Inseln sind. Letzten Endes ist es völlig egal, wie die offizielle Uhr tickt, so lange sich die 1.000 (?) Menschen auf der Insel auf eine Zeit verständigen. Frühstück gibt's ab 8 Uhr, Lunch ab 13 Uhr und Dinner ab 19:30 Uhr - mehr muss man hier bzgl. der Zeit (fast) nicht wissen.
Donnerstag, 9.12.2010
0:00 Durchsage: "Leider bleibt der Flughafen bis 2:00 Uhr gesperrt. Wir haben veranlasst, dass wir in der Zwischenzeit enteist werden und dafür gesorgt, dass wir dann, wenn der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird, die ersten am Start sind."
Im Laufe der nächsten Stunde fand dann das "de- und anti-icing" statt. Vom Inneren des Flugzeugs aus erinnerte es mich an das Gefühl, mit dem Auto durch die Waschanlage zu fahren. Nur gab es dort auf dem Flughafen keine Waschstraße, sondern einen Kranwagen, der das Flugzeug ähnlich wie ein Feuerwehrfahrzeug mit Unmengen einer Flüssigkeit besprühte.
2:00 Durchsage: "Meine Damen und Herren, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für sie. - Die gute: Wir rechnen damit, in Kürze unsere Startfreigabe zu erhalten. Die schlechte: Leider führt die ungeplante Verzögerung dazu, dass die Cockpit-Crew mit der gesetzlich erlaubten Arbeitszeit von 15 Stunden nicht in der Lage ist, uns bis nach Male zu bringen. Da es in der Frankfurter Umgebung aufgrund von Messen keine hinreichenden Hotelkapazitäten gibt, werden wir Sie nun zunächst nach Sharm-El-Sheik in Ägypten fliegen, wo wir den morgigen Tag im Sharks Bay Hilton verbringen und unsere Reise dann morgen abend fortsetzen und unser Reiseziel 24 Stunden später als geplant erreichen."
2:10 Durchsage: "Selbstverständlich können wir niemanden dazu zwingen, an Bord zu bleiben und mit uns nach Ägypten zu fliegen. Passagiere, die aussteigen möchten, melden sich bitte bei der Kabinen-Crew. Wir organisieren einen Shuttle-Bus, der sie hier abholt und zum Flughafengebäude bringt. Bitte beachten Sie, dass Ihr Gepäck hier an Bord bleibt."
3:00 Durchsage: "Treppe und Bus sind nun da, ich bitte die Passagiere, die von Bord gehen möchten, nun nach vorne zu kommen."
3:15 Durchsage: "Wir warten nun noch auf das Pushback-Fahrzeug, das uns hier vom Gate wegschieben wird."
4:00 Ein Ruck geht durch die Maschine, sie bewegt sich langsam rückwärts; kurz danach sind wir endlich ready for take-off.
Ich fand's gut, dass die Verspätung sich nach und nach ergeben hat und wir uns nicht von Vornherein auf 8 Stunden Warten einstellen mussten. Ich war positiv überrascht, wie entspannt die meisten Passagiere mit der ungewöhnlichen Situation umgingen. Das hing sicherlich auch damit zusammen, dass wir eine sehr professionelle Kabinen-Crew hatten, die die ganze Zeit über freundlich und gelassen blieb, und dass der Kabinenchef (aka Purser) in seinen Ankündigungen bzgl. der Situation souverän und bestimmt war.
Gegen 9 Uhr morgens landeten wir in Sharm-el-Sheik und erreichten nach den üblichen Formalitäten und einem kurzen Bustransfer unser Tageshotel, das Hilton an der Sharks Bay. Erstaunlicherweise haben mich die ganzen Komplikationen überhaupt nicht gestört, vielmehr hab ich mich über die abenteuerliche und ungeplante Entwicklung der Reise gefreut. Noch kannte ich ja die Malediven nicht, und im Vergleich mit einem erzwungenen Aufenthalt im kalten Frankfurt schien mir der Zwischenstopp in Ägypten allemal ein Schritt in die richtige Richtung.
Die großzügigen Zimmer mit luxuriösem Bad ließen die Strapazen der Reise vergessen, und auch wenn die Hotelanlage und der Strand nicht unbedingt zu einem längeren Urlaub einluden, sorgten das angenehme Klima und das All-Inklusive-Angebot des Hotels für Zerstreuung. Abends um 21 Uhr ging es dann mit dem Bus wieder zum Flughafen. Dort trafen wir auf die Passagiere einer weiteren Condor-Maschine, die Richtung Frankfurt unterwegs waren und schon einige Stunden warten mussten. Wie wir später an Bord erfuhren, ist deren Flug aufgrund einer Sperrung des Frankfurter Flughafens gecancelt worden, während wir unseren Weg in die Sonne ohne weitere Komplikationen fortsetzen konnten...